Die Kommune

Statement des Regisseurs
„Amüsanter Blick auf
das chaotische WG-Leben
im Kopenhagen der 70er
– Vinterberg in Bestform“
OXMOX
„Eine großartige Abhandlung
über die Unvereinbarkeit von
Utopien und Gefühlen“
3SAT KULTURZEIT
„Eine authentische Zeitreise
zum Lachen und Weinen“
DRESDENER

STATEMENT DES REGISSEURS


Im Alter von sieben bis neunzehn Jahren lebte ich in einer Kommune. Das war eine verrückte, herzliche, tolle Zeit für mich inmitten von Nackten, Bier, hochgestochenen Diskussionen, Liebe und persönlichen Tragödien. Für mich als Kind war jeder Tag dort wie ein Märchen. Allein nur den eigenen privaten Raum zu verlassen und sich in die Gemeinschaftsbereiche zu begeben, konnte bedeuten, dass man eine Fülle von überraschenden Szenen erlebte, denn die anderen Bewohner hatten recht exzentrische Angewohnheiten.


Im Rückblick ist diese Zeit voller goldener Erinnerungen und absurder Momente. Die Frauen hatten damals einen bestimmenden Einfluss im Haus, und weil ihre Zyklen irgendwann alle irgendwie zeitlich zusammenfielen, wurde es im ganzen Haus jeden Monat mindestens fünf Tage lang dunkel wie die Hölle.


Jeden Donnerstag bis Sonntag fanden gemeinsame Essen statt, die regelmäßig zu riesigen und manchmal katastrophal endenden Partys ausuferten. Die „Hausversammlungen“ – demokratisch organisierte Treffen mit allen Hausbewohnern – waren die allerhöchste Instanz. Dort schütteten alle einander ihr Herz aus und jeder konnte ein Thema zur Diskussion stellen, das ihm wichtig war. Ich erinnere mich an eine dieser Versammlungen, bei der entschieden wurde, dass jedes Mitglied der Kommune eine seinem Einkommen gemäße Miete zahlen sollte. Der Vorschlag kam ausgerechnet von dem Mann, der am meisten von allen verdiente, und das Ergebnis war, dass sich seine Miete mehr als verdoppelte. Auch wenn die Kommune aus lauter gebildeten Menschen bestand, erscheint mir das damalige Leben heute als extrem naiv und idealistisch – es war voller Hoffnung auf die Zukunft …


Der Kern des Films spielt ungefähr im Jahr 1975. Die originellen und humorvollen Mitglieder dieser Kommune bilden eine Art Chor wie im traditionellen Drama – oder eine riesige, herzliche Familie, die wir hoffentlich lieben lernen. Doch innerhalb dieser exzentrischen großen Familie spielt sich eine intimere Liebesgeschichte ab. Diese Liebesgeschichte wird den kollektiven Traum der Kommune und eine langjährige Beziehung beenden. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit endet hier also auf mehr als einer Ebene.


Thomas Vinterberg, Kopenhagen 2015